Ein Theater um gesellschaftliche Schablonen

Plötzlich steht Chris im Schulzimmer der 3. Sekundarklasse. Er will sich vor einer Schulklasse in eine Frau verwandeln, um eine Wette zu gewinnen. Doch während seiner Verwandlung wird langsam klar, dass es eigentlich um das Outing seiner Frau Paula geht, das ihn ganz schön aus der Bahn geworfen hat. Seine grosse Jugendliebe Paula ist jetzt Paul und Chris muss seine festgefahrenen Vorstellungen von Liebe, Identität und sexueller Orientierung lösen, um seine grosse Liebe zu retten.

Erst mit der Zeit wird allen Schülerinnen und Schülern bewusst, dass es sich bei Chris um einen Schauspieler des Theaters St. Gallen handelt. Diese kurze Inszenierung thematisiert sensibel und selbstverständlich die Bandbreite von Identitäten und regt an, über die eigene Geschlechterrolle und über gesellschaftliche Schablonen nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Im Grunde genommen geht es nicht darum, ob Chris seine Paula oder doch Paul liebt, denn er liebt nicht das Geschlecht, die Religion oder den Beruf, sondern den Menschen mit seinen Charaktereigenschaften.

Im Anschluss an die Theaterinszenierung hat ein offener Austausch mit dem Schauspieler, dem Regisseur und der Lehrperson stattgefunden. Die Jugendlichen haben sehr reflektiert und reif darüber diskutiert, was das Stück «Paul*» bei ihnen ausgelöst hat und wie sie mit gesellschaftlichen Normen umgehen. Es soll der Startpunkt für weitere wertvolle Auseinandersetzungen mit persönlichen und sozialen Themen sein.

Bild: Klassenzimmerstück Paul – Theater SG / Donato Caspari)

Beitrag teilen: