Auch in diesem Frühjahr besuchte mit Marc Voltenauer ein Autor die Oberstufe Steig. Er ist in den Westschweizer Alpen wohnhaft, wo auch ein Teil seiner Kriminalromane spielt. Mit einem deutschen Vater und einer schwedischen Mutter ist Voltenauer in der Region Genf dreisprachig aufgewachsen. Seine Bücher sind ursprünglich in französischer Sprache geschrieben. Nach einer längeren Reise hat er mit dem Schreiben angefangen und die ursprüngliche Idee des Romans war für einen Krimi klassisch: Ein Mord und eine Leiche in der Kirche. Die Grundlage der kreativen Arbeit als Schriftsteller sei das Lesen von Büchern. Erst danach beginne die eigentliche Arbeit und Marc Voltenauer zog einen interessanten Vergleich: «Es ist wie im Sport. Wenn man sich verbessern will, muss man sehr viel Zeit investieren, trainieren und täglich hart arbeiten.»
Bevor ein Schriftsteller den ersten Buchstaben eines Textes schreibt, vergehe sehr viel Zeit. «Man findet eine Idee oder einen Ausgangspunkt, stellt sich Fragen dazu, macht Notizen, findet und besucht relevante Orte, nähert sich dem Thema weiter an und erarbeitet erst dann das Grundgerüst mit den Kapiteln. Ich muss wissen, wie es an den Orten meiner Geschichte aussieht, riecht und wie es sich dort anfühlt», meinte Voltenauer. Für seinen nächsten Kriminalroman, der in einem Gefängnis spielen wird, begab sich der Schriftsteller sogar für mehrere Tage selber hinter Gitter.
Die Schülerinnen und Schüler stellten auch interessante Fragen und haben erfahren, dass lediglich 5-10% des Kaufpreises eines Buches dem Autor zufallen. Mehr als die Hälfte des Erlöses geht an die Logistik, den Transport und den Verkauf. Voltenauer müsse deshalb jährlich mehrere tausend Bücher verkaufen, nur schon um die Prämien für seine Krankenkasse bezahlen zu können. Auch von den Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die Literatur berichtete Voltenauer. Die Wahl eines geeigneten Titels für ein Buch sei sehr anspruchsvoll und verändere sich während des Schreibens und im Austausch mit dem Verlag mehrmals. Einen Liebling unter seinen Büchern gebe es nicht, denn mit jedem Buch verbindet der Schriftsteller besondere Erlebnisse und Erinnerungen.